In einer Landschaft ist selten alles gleich wichtig. Ein Felsen liegt unmittelbar vor der Kamera, ein Grat mehrere Kilometer entfernt. Dazwischen stehen Wasser, Wald, Wolken und Licht. Die Brennweite verändert, wie diese Ebenen zueinander im Bild stehen.
Im Hasselblad X System entsprechen 20, 25 und 35 mm als Kleinbildäquivalent ungefähr 16, 20 und 27 mm. Aufgrund des 4:3-Formats ist der horizontale und vertikale Bildausschnitt dabei nicht vollständig mit einem 3:2-Vollformatsensor identisch.
Für die Bildgestaltung ist vor allem entscheidend, was innerhalb des Rahmens geschieht: 20 mm beziehen mehr von der unmittelbaren Umgebung ein. 25 mm reduzieren die äußersten Bildbereiche. 35 mm geben Motiven im Mittel- und Hintergrund mehr Präsenz.
Welche Brennweite eignet sich für Landschaftsfotografie?
Die Wahl der Brennweite beginnt mit der räumlichen Struktur des Motivs. Relevant sind die Entfernung zum Vordergrund, die gewünschte Größe des Hauptmotivs und die Grenzen des Standorts.
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Brennweite im X System |
Wirkung im Bild |
Typische Situation |
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20 mm |
starker Bezug zwischen nahem Vordergrund und weiter Umgebung |
wenig Platz, markanter Vordergrund, deutliche räumliche Tiefe |
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25 mm |
ausgewogeneres Verhältnis zwischen Vordergrund und Ferne |
Landschaften mit mehreren klaren Bildebenen |
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35 mm |
konzentrierterer Ausschnitt |
entfernte Berge, Wald, Nebel, Lichtflächen |
Die aktuellen 100-MP-Kameras des X Systems arbeiten mit einem 43,8 × 32,9 mm großen Mittelformatsensor. Das entspricht annähernd einem Seitenverhältnis von 4:3.
Bei vergleichbarer horizontaler Bildabdeckung bietet 4:3 relativ mehr vertikale Bildfläche als 3:2. Das schafft zusätzlichen Spielraum, wenn Vordergrund, Horizont und Himmel gleichzeitig Teil der Komposition sind. Gerade bei sehr weiten Brennweiten kann diese zusätzliche Höhe wichtiger sein als noch mehr Raum an den Seiten.
20 mm für Nähe und Raum
20 mm sind im X System die weiteste Brennweite des XCD 3,2–4,5/20–35E und entsprechen ungefähr 16 mm an Vollformat.
Der Bildwinkel erlaubt es, sehr nah an den Vordergrund zu gehen und trotzdem einen großen Teil der Umgebung zu erhalten.
An einer felsigen Küste kann eine Struktur wenige Zentimeter vor der Kamera beginnen, während Meer und Horizont im Bild bleiben. Im Schnee können Linien im Vordergrund bis zu einem entfernten Grat führen. Der Vordergrund wird dadurch nicht nur hinzugefügt, sondern übernimmt eine klare räumliche Funktion.
Dasselbe gilt an begrenzten Standorten. Auf einem Felsvorsprung, zwischen Wasser und Ufer oder in einer Schlucht lässt sich die Kamera nicht beliebig zurücksetzen. 20 mm erhalten dort mehr Umgebung, ohne den Standort zu verändern.
Der größere Bildwinkel stellt zugleich höhere Anforderungen an die Bildränder. In der Architekturfotografie wird diese Randleistung noch deutlicher, weil dort gerade Linien bis an den Bildrand laufen.
Ein Ast, ein heller Stein oder eine zusätzliche Linie kann bei 20 mm noch Teil der Komposition sein, obwohl sie bei 25 mm bereits außerhalb des Rahmens läge. Die hohe Sensorauflösung macht auch solche feinen Strukturen sichtbar. Beim XCD 20–35E ist die optische Konstruktion darauf ausgelegt, die Anforderungen des 100-MP-Sensors bis in die Randbereiche zu unterstützen.
Auch ein entferntes Motiv nimmt innerhalb des großen Bildwinkels weniger Fläche ein. Ein Gipfel, der vor Ort die Szene bestimmt, kann in einer 20-mm-Komposition relativ klein erscheinen.
Der zusätzliche Raum ist daher vor allem dann interessant, wenn er eine Funktion hat: als Vordergrund, als führende Linie oder als Teil einer klaren Staffelung von Nähe und Ferne.
25 mm für ausgewogene Weitwinkelkompositionen
Der Unterschied zwischen 20 und 25 mm zeigt sich besonders an den Bildrändern.
Elemente, die bei 20 mm noch Teil der Komposition sind, können bei 25 mm bereits außerhalb des Rahmens liegen. Die räumliche Weite bleibt erhalten, während die äußersten Bereiche weniger Gewicht bekommen.
An einem Bergsee kann das Ufer weiterhin als erste Bildebene dienen, ohne den entfernten Bergen zu viel Fläche zu nehmen. Im Wald lassen sich Randbereiche leichter kontrollieren. An einer Küste bleibt die Umgebung präsent, ohne dass jede seitliche Struktur mitkomponiert werden muss.
25 mm sind damit keine bloße Zwischenstufe zwischen 20 und 35 mm. Der Bildwinkel hält Vordergrund und Ferne in einem eigenen Verhältnis.
Im X System lässt sich diese Brennweite auf zwei Arten nutzen. Das XCD 20–35E umfasst 25 mm innerhalb seines Zoombereichs. Das XCD 2,5/25V bietet dieselbe nominelle Brennweite als Festbrennweite und damit einen vergleichbaren Bildwinkel.
Das XCD 25V bietet f/2,5, fokussiert ab 25 cm und wiegt 592 g. Die Fokusdistanz wird dabei von der Sensorebene gemessen, nicht von der Frontlinse.
Die kurze Fokusdistanz erweitert den Spielraum für Vordergründe. Gleichzeitig bietet f/2,5 mehr Lichtreserve, wenn das Tageslicht schwächer wird. Hasselblad führt Nacht- und Astrofotografie ausdrücklich als Einsatzbereiche des Objektivs auf.
Bei Tageslicht ist diese Lichtstärke nicht immer entscheidend. In der Dämmerung oder unter dem Sternenhimmel verändert sie die Arbeitsweise jedoch stärker als ein kleiner Unterschied im Bildwinkel.
35 mm für Motive in größerer Entfernung

@Jiyuan Wang
Bei 35 mm wird der Rahmen deutlich enger.
Am langen Ende des XCD 20–35E beträgt der horizontale Bildwinkel etwa 65 Grad, gegenüber rund 96 Grad bei 20 mm.
Das wird relevant, wenn das eigentliche Motiv nicht im Vordergrund liegt.
Ein entfernter Bergrücken erhält mehr Bildfläche. Nebelschichten lassen sich enger ordnen. Im Wald kann eine einzelne Gruppe von Bäumen aus einer komplexeren Umgebung gelöst werden. Eine Hütte oder eine Person bleibt stärker präsent, während der landschaftliche Zusammenhang erhalten bleibt.
Der engere Bildwinkel verändert vom gleichen Standort aus nicht die Perspektive. Er nimmt zunächst weniger Umgebung auf.
Gerade bei großen Landschaften kann das entscheidend sein. Ein sehr weiter Bildwinkel zeigt viel Raum, gibt einem entfernten Motiv aber nicht automatisch mehr Präsenz. Wenn eine Bergkante oder ein bestimmter Lichteinfall die Aufnahme trägt, kann der konzentriertere Ausschnitt näher an dem liegen, was vor Ort tatsächlich die Aufmerksamkeit bestimmt.
35 mm am X System entsprechen ungefähr 27 mm an Vollformat und damit weiterhin einem klassischen Weitwinkelbildwinkel.
Brennweite Bildwinkel und Perspektive
Brennweite und Perspektive beschreiben nicht dasselbe.
Bleibt die Kamera am gleichen Standort, verändert eine andere Brennweite vor allem den Bildwinkel. In Bezug auf die Perspektive entspricht ein 35-mm-Bild vom gleichen Kamerastandpunkt vereinfacht einem engeren Ausschnitt aus einer 20-mm-Aufnahme.
Die räumliche Beziehung zwischen einem nahen Felsen und einem entfernten Berg bleibt dabei erhalten. Unterschiede in Verzeichnung, Randabbildung und optischem Rendering bleiben davon unberührt.
Mit 100 Megapixeln bietet das X System erheblichen Spielraum für Ausschnittkorrekturen. Rein geometrisch bleiben bei einem Crop von 20 auf etwa 25 mm ungefähr 64 Prozent der ursprünglichen Pixel erhalten. Bei einem Crop auf etwa 35 mm sind es nur noch rund 33 Prozent. Diese Werte sind Näherungen und setzen das gleiche Seitenverhältnis sowie eine ideale geometrische Betrachtung voraus.
Cropping bietet damit Reserve für den endgültigen Bildrahmen. Es ersetzt jedoch weder fehlenden Bildwinkel noch eine bewusst gewählte Kameraposition.
Soll ein Vordergrund bei 20 und 35 mm gleich groß im Bild erscheinen, muss die Kamera mit 20 mm näher an ihn heran. Dadurch verändert sich sein Größenverhältnis zum Hintergrund.
Die charakteristische Nah-Fern-Wirkung eines Ultraweitwinkels entsteht deshalb aus dem Zusammenspiel von Bildwinkel und Distanz.
Auch das 4:3-Format beeinflusst diese Gestaltung. Bei vergleichbarer horizontaler Abdeckung steht relativ mehr vertikale Fläche zur Verfügung als bei 3:2. Vordergrund, Horizont und Himmel lassen sich dadurch auf einer höheren Bildfläche zueinander ordnen.
Ein Weitwinkelobjektiv erweitert also nicht nur den Rahmen. Es verändert, welche Distanzen innerhalb dieses Rahmens gleichzeitig sichtbar bleiben können. Welche Rolle Standpunkt, Licht und Bildqualität darüber hinaus in der Landschaftsfotografie spielen, behandelt der übergeordnete Guide.
Festbrennweite oder Zoom für Landschaftsfotografie?
Für die Wahl zwischen Festbrennweite und Zoom sind vor allem Standort, Licht und Gewicht relevant.
XCD 20–35E für variable Bildgestaltung
Das XCD 3,2–4,5/20–35E deckt 20 bis 35 mm ab, entsprechend ungefähr 16 bis 27 mm an Vollformat. Es wiegt 805 g und besitzt ein 77-mm-Filtergewinde.
Der Zoombereich erlaubt es, den Bildrahmen zu verändern, ohne die Kameraposition aufzugeben.
Das ist dort relevant, wo Bewegung eingeschränkt ist. Am Rand eines Felsens, an einem See oder auf einem schmalen Weg kann der Standort bereits feststehen. Die Brennweite verändert dann den Ausschnitt, während die Perspektive erhalten bleibt.
Das 77-mm-Filtergewinde unterstützt direkt montierbare Filter dieses Durchmessers. Für Landschaftsfotografie ist das insbesondere bei Polarisations- und Neutraldichtefiltern praktisch.
Die optische Konstruktion des 20–35E ist auf die Auflösungsanforderungen des 100-MP-Sensors ausgelegt. Hasselblad hebt dabei die Detailwiedergabe bis in die Randbereiche hervor.
Für eine Weitwinkelkomposition ist diese Gleichmäßigkeit besonders relevant, weil wichtige Bildinformationen häufig über die gesamte Fläche verteilt sind.
XCD 25V für einen festen Bildwinkel
Das XCD 2,5/25V reduziert die Entscheidung auf einen Bildwinkel.
Es wiegt 592 g, bietet f/2,5, fokussiert ab 25 cm und verwendet 72-mm-Filter.
Damit ist es leichter und lichtstärker als das XCD 20–35E. Diese Unterschiede werden vor allem dann relevant, wenn der bevorzugte Bildwinkel bereits feststeht.
Auf langen Wegen reduziert das geringere Gewicht die Ausrüstung. In Dämmerung und Nacht bietet f/2,5 mehr Lichtreserve. Die kurze Fokusdistanz erlaubt zudem, kleine Strukturen im Vordergrund groß in die Komposition einzubeziehen.
Der Unterschied zwischen beiden Objektiven liegt damit weniger in einer Rangfolge als in der Arbeitsweise.
Das 20–35E hält den Bildrahmen variabel.
Das 25V hält den Bildwinkel konstant und verlagert die Entscheidung stärker auf Position, Distanz und den Moment der Aufnahme.
Häufige Fragen zu Weitwinkelobjektiven für Landschaftsfotografie
Warum entsprechen 20 mm im Hasselblad X System etwa 16 mm an Vollformat?
Der Äquivalenzfaktor des Hasselblad X Systems liegt bei ungefähr 0,78. Deshalb entsprechen 20 mm etwa 16 mm an Vollformat. Wegen des unterschiedlichen Seitenverhältnisses von 4:3 und 3:2 sind horizontaler und vertikaler Bildausschnitt jedoch nicht vollständig identisch.
Was bedeuten 25 cm Mindestfokusdistanz beim XCD 25V?
Die Mindestfokusdistanz von 25 cm wird von der Sensorebene gemessen, nicht von der Frontlinse. Der tatsächliche Abstand zwischen Objektivfront und Motiv ist daher kürzer. Das ist besonders relevant, wenn kleine Strukturen sehr nah in den Vordergrund integriert werden.
Wie viel Spielraum bieten 100 MP beim Croppen?
Bei gleicher Kameraposition bleiben beim theoretischen Crop eines 20-mm-Bildes auf etwa 25 mm rund 64 Prozent der Pixel erhalten, auf etwa 35 mm ungefähr 33 Prozent. Cropping verändert den Bildausschnitt, nicht die Perspektive, und ersetzt keinen anderen Kamerastandpunkt.
Welche Filter eignen sich für ein Weitwinkelobjektiv in der Landschaftsfotografie?
Polarisationsfilter reduzieren Reflexionen, können bei sehr weiten Bildwinkeln den Himmel jedoch ungleichmäßig abdunkeln. ND-Filter verlängern die Belichtungszeit, etwa für Wasser oder Wolken. Verlaufsfilter helfen bei starken Helligkeitsunterschieden zwischen Himmel und Landschaft.
Bei einem Weitwinkelobjektiv entscheidet damit nicht allein, wie viel Landschaft in den Rahmen passt. Entscheidend ist, wie Vordergrund, Distanz und Bildrand innerhalb dieses Rahmens zueinander stehen.



